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Allergiebehandlung

Eine Nahrungsmittelallergie kann auch bei vollständig gestillten Säuglingen auftreten, indem das Allergen von der mütterlichen Diät in die Muttermilch übergeht.


Kuhmilchprotein ist der Hauptauslöser einer Nahrungsmittelallergie bei Säuglingen und Kleinkindern unter drei Jahren [ 1 ]. Nach subjektiver Einschätzung der Eltern tritt eine Kuhmilchproteinallergie (KMPA) wesentlich häufiger auf als nach ärztlicher Diagnose mit oraler Provokation; tatsächlich scheint die KMPA im ersten Lebensjahr mit circa zwei bis drei Prozent einen Höhepunkt zu verzeichnen [ 1;2 ], der bis zum Alter von sechs Jahren und älter dann unter ein Prozent fällt [ 3 ].

Eine Nahrungsmittelallergie kann auch bei vollständig gestillten Säuglingen auftreten, indem das Allergen von der mütterlichen Diät in die Muttermilch übergeht. Die Häufigkeit einer bestätigten Nahrungsmittelallergie bei vollständig gestillten Säuglingen liegt bei 0,5 Prozent [ 4 ].

Symptome

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Abbildung 1: Häufige Symptome der Kuhmilcheiweißallergie [ 5 ].

 

Die Symptome einer KMPA treten oft innerhalb von Wochen nach dem ersten Kontakt mit Kuhmilch auf, beispielsweise über die Muttermilch, über herkömmliche Säuglingsnahrungen oder Beikost, und betreffen typischerweise die Haut, den Verdauungstrakt sowie die Atemwege (s. Abb. 1).

Die meisten Kinder mit KMPA weisen zwei oder mehr Symptome auf [ 6 ]:

  • 60-70 Prozent haben Hautsymptome wie atopische Dermatitis, Schwellungen der Lippen und Augenlider oder Urtikaria,
  • 50-60 Prozent haben gastrointestinale Symptome, wie häufiges Aufstoßen und Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und Koliken,
  • 20-30 Prozent haben Symptome im Bereich des Atemtrakts, wie eine laufende Nase, chronischen Husten oder Keuchen.

 

 

Eine Nahrungsmittelallergie kann auch bei vollständig gestillten Säuglingen auftreten, indem das Allergen von der mütterlichen Diät in die Muttermilch übergeht.

Richtlinien zur Allergiebehandlung der ESPGHAN für gestillte Säuglinge [ 7 ]

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Abbildung 2: Vereinfachter Ablauf der Allergiebehandlung bei gestillten Säuglinge mit Verdacht auf KMPA; nach: [ 7 ]

 

Ein aktuelles Positionspapier der ESPGHAN zur Diagnose und Therapie der KMPA stellt einen praxisbezogenen Weg dar, Säuglinge, Kleinkinder sowie Kinder mit insbesondere gastrointestinalen Symptomen zu behandeln [ 7 ]. Im Mittelpunkt dieser Richtlinie stehen hauptsächlich diagnostische Mittel sowie Behandlungswege zur Allergenelimination und oralen Provokation.

Grundsätzlich umfasst die Behandlung der KMPA folgende drei Stufen:

  1. Diagnose
    • Familienanamnese, körperliche Untersuchung des Kindes, ggf. IgE-Test
    • Diagnostische Eliminationsdiät 
    • Orale Provokation (zur Diagnosestellung einer KMPA)
  2. Therapeutische Eliminationsdiät
  3. Reevaluierung (Nachuntersuchung) mit oraler Provokation

Die Richtlinien der Allergiebehandlung der ESPGHAN für gestillte Säuglinge empfehlen folgende Schritte (s. auch Abb. 2): [ 7 ]

  • Mütter sollten angehalten werden, weiter zu stillen und gleichzeitig sämtliche Milch und Milchprodukte in ihrer Ernährung auszuschließen. Dies bedarf meist einer diätetischen Beratung, um auch versteckte Milchspuren in Produkten zu erkennen. Bekommt das Kind bereits andere Nahrungsmittel (oder Medikamente) außer der Muttermilch, müssen diese frei von Kuhmilcheiweiß sein. 
  • Bei Säuglingen mit allergischen Sofortreaktionen reicht eine mütterliche Eliminationsdiät von bereits drei bis sechs Tagen. Bei Säuglingen mit verzögerten Reaktionen, wie der allergischen Proctocolitis, einer entzündlichen Darmerkrankung, sollte die Diät bis zu 14 Tage dauern. Stellt sich keine Verbesserung ein, liegt wahrscheinlich keine KMPA vor und das Kind muss weitergehend untersucht werden.
  • Verbessern sich die Symptome, kann die Wiedereinführung von Kuhmilch in die mütterliche Diät geplant werden. Reagiert das Kind wiederum auf diese Provokation und die Mutter möchte trotzdem weiter stillen, dann sollte die mütterliche Eliminationsdiät fortgeführt und mit einer Calciumsupplementierung (1000 mg pro Tag; über den Tag verteilt) und einer weitergehenden diätetischen Beratung unterstützt werden.
  • Werden die allergischen Symptome des Kindes von anderen Eiweißen verursacht, wie beispielsweise durch Soja oder Nüsse, sollte die Mutter diese aus ihrer Ernährung eliminieren, damit sie weiter stillen kann.
  • Bei Säuglingen mit schweren Symptomen, wie schwerer atopischer Dermatitis oder allergischer Enterocolitis, verschlimmert durch Wachstumsstörungen oder Hypoproteinämie oder schwerer Anämie, sollte das Kind über maximal zwei Wochen eine Allergiebehandlungsnahrung auf Aminosäurenbasis (AAF) erhalten, während die Mutter ihre Milch abpumpt. Damit kann sich die Gesundheitslage des Kindes erst einmal stabilisieren.
  • Bleiben die Symptome auch unter einer strikten mütterlichen Diät, sollten zusätzlich noch andere hochpotente Allergene aus der Ernährung eliminiert werden oder das Kind auf eine Allergiebehandlungsnahrung umgestellt werden.

 

Wichtiger Hinweis: Stillen ist das Beste für Babys. Säuglingsnahrungen sollten nur auf Rat von Kinderärzten oder anderem medizinischen Fachpersonal verwendet werden. Aptamil Proexpert Pepti, Aptamil Proexpert Pregomin und Aptamil Proexpert Pregomin AS sind diätetische Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke (bilanzierte Diäten) und nur unter ärztlicher Kontrolle zu verwenden.

* Kurzkettige Galacto-/langkettige Fructooligosaccharide ** Langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren *** Nahrungsmittelunverträglichkeiten/-allergien, z. B. Kuhmilcheiweißallergie; schwere akute und chronische Durchfallerkrankungen; Maldigestion, Malabsorption und Malnutrition – Störungen in der Resorption oder der Verdauung wie z. B. Kurzdarmsyndrom, chronisch entzündliche Darmerkrankungen; Störungen im Kohlenhydratstoffwechsel, z. B. Lactoseintoleranz **** Mittelkettige Triglyceride

Fußnoten
  1. Sicherer, S. Epidemiology of food allergy. J Allergy Clin Immunol 2011;127:594–602
  2. Rona, R., Keil, T., Summers, C., Gislason, D., Zuidmeer, L., Sodergren, E., Sigurdardottir, S., Lindner, T., Goldhahn, K., Dahlstrom, J., McBride, D., Madsen, C. The prevalence of food allergy: a meta-analysis. J Allergy Clin Immunol 2007;120:638-46
  3. Høst, A., Halken, S., Jacobsen, H., Christensen, A., Herskind, A., Plesner, K. Clinical course of cow's milk protein allergy/intolerance and atopic diseases in childhood. Pediatr Allergy Immunol 2002;13:23-8
  4. Vandenplas, Y., Koletzko, S., Isolauri, E., Hill, D., Oranje, A., Brueton, M., Staiano, A., Dupont, C. Guidelines for the diagnosis and management of cow's milk protein allergy in infants. Arch Dis Child 2007;92:902-8
  5. Høst, A., Halken, S. A prospective study of cow milk allergy in Danish infants during the first 3 years of life. Clinical course in relation to clinical and immunological type of hypersensitivity reaction. Allergy 1990;45:587-96
  6. Høst, A. Frequency of cow's milk allergy in childhood. Ann Allergy Asthma Immunol 2002;89:33-7
  7. Koletzko, S., Niggemann, B., Arato, A., Dias, J., Heuschkel, R., Husby, S., Mearin, M., Papadopoulou, A., Ruemmele, F., Staiano, A., Schäppi, M., Vandenplas, Y. Diagnostic approach and management of cow's-milk protein allergy in infants and children: ESPGHAN GI Committee practical guidelines. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2012;55:221-9

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