Frühchen mit Schlauch in der Nase

Ernährung Frühgeborener nach der Entlassung

Wiegen Frühgeborene bei ihrer Entlassung zu wenig, sollte die Muttermilch mit Nährstoffen, Mineralstoffen und Spurenelementen angereichert oder eine Spezialnahrung zugefüttert werden. Bei der Frage wie das geht und worauf zu achten ist, benötigen Eltern oftmals Hilfe. Wissenschaftliche Empfehlungen können bei der Eltern-Beratung Unterstützung bieten.


Viele neonatologische Abteilungen entlassen stabile Frühgeborene mit einem
postkonzeptionellen Alter von circa 35 bis 36 Wochen beziehungsweise mit einem
Körpergewicht zwischen 1.800 und 2.100 g.[1] Damit liegt ihr Körpergewicht bei der
Klinikentlassung weit unter dem normalen Geburtsgewicht gesunder Reifgeborener.
Sie haben darum ein erhöhtes Risiko für ein langfristiges Wachstumsdefizit.
Die Ernährungskommission der europäischen Gesellschaft für pädiatrische
Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung (ESPGHAN) hat daher Empfehlungen
zum Ernährungsregime Frühgeborener nach der Klinikentlassung herausgegeben.[1]
Die Kommission empfiehlt, das Wachstum auch nach dem Krankenhausaufenthalt
genau zu überwachen, um den Säuglingen eine adäquate Ernährung zukommen
lassen zu können und eine Unter- oder Überernährung zu vermeiden.

Die ESPGHAN empfiehlt dazu: [1]

  • Frühgeborene, deren Entlassungsgewicht für ihr postkonzeptionelles Alter
    angemessen ist, sollten nach Möglichkeit gestillt werden bzw. eine
    Säuglingsnahrung mit regulärem Eiweißgehalt und langkettigen, mehrfach
    ungesättigten Fettsäuren (LCP) erhalten.
  • Frühgeborene, deren Entlassungsgewicht für ihr postkonzeptionelles Alter zu
    niedrig ist, sollten bis zu einem postkonzeptionellen Alter von 40 bis 52
    Wochen angereicherte Muttermilch oder eine Spezialnahrung für
    Frühgeborene (Post Discharge Formula; PDF) mit hohem Gehalt an Eiweiß (ca.
    2,5 g/100 kcal), Mineralstoffen und Spurenelementen sowie LCPs erhalten.

Die Arbeitsgruppe Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin der Österreichischen
Gesellschaft für Kinder und Jungendheilkunde (ÖGKJ) hat aktuell die Empfehlungen
der ESPGHAN leicht modifiziert und weiter konkretisiert [2]:

  • Frühgeborene mit altersentsprechendem Gedeihen während des
    Krankenhausaufenthalts (Entlassungsgewicht über der zehnten Perzentile)
    sollen bis zum errechneten Geburtstermin mit angereicherter Muttermilch
    beziehungsweise mit einer PDF ernährt werden.
  • Frühgeborene mit bis zur Entlassung nicht adäquater Gewichtszunahme
    (Entlassungsgewicht unter der zehnten Perzentile beziehungsweise
    Perzentilenverlust über zwei Perzentilen) sollen bis zur korrigierten 52.
    Schwangerschaftswoche angereicherte Muttermilch beziehungsweise eine
    PDF erhalten.
  • Darüber hinaus sollen alle Frühgeborenen zumindest im ersten halben Jahr
    zusätzlich Eisen- und Vitaminsupplementierung erhalten.
Da das Körpergewicht der meisten Frühgeborenen bei Klinikentlassung weit unter dem normalen Geburtsgewicht gesunder Reifgeborener liegt und sie damit ein erhöhtes Risiko für ein langfristiges Wachstumsdefizit haben, stellt sich die Frage nach dem Ernährungsregime dieser Kinder.
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Abbildung 1: Fütterungsregime Frühgeborener nach Klinikentlassung in Abhängigkeit des Entlassungsgewichts beziehungsweise des Perzentilenverlusts; nach [ 2 ]

 

Die Anreicherung der Muttermilch kann durch Vermischung in einem Fläschchen erfolgen oder durch separate Gabe des Frauenmilchsupplements (in maximal 5 ml Wasser) vor dem Stillen mittels Fingerfeeder, Fläschchen oder Spritze. Es reicht, lediglich jede zweite Muttermilchmahlzeiten anzureichern. [2]

Fußnoten
  1. Aggett, P., Agostoni, C., Axelsson, I., Curtis, M., Goulet, O., Hernell, O., Koletzko, B., Lafeber, H., Michaelsen, K., Puntis, J., Rigo, J., Shamir, R., Szajewska, H., Turck, D., Weaver, L., ESPGHAN, C. o. Feeding preterm infants after hospital discharge: a commentary by the ESPGHAN Committee on Nutrition. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2006;42:596-603
  2. Haiden, N., Hauer, A., Pietschnig, B., Repa, A., Pollak, A., Rock, I., Scholl-Bürgi, S., Karall, D., Sperl, W., Weghuber, D. Z., Berger, A., Resch, B. Ernährung Frühgeborener nach der Entlassung. Konsensuspapier der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (ÖGKJ) gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin der ÖGKJ. Monatsschr Kinderheilkd 2012;160:491-8

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