Mother and Baby Tine

Mutter-Kind-Bindung

Die beste Voraussetzung dafür, dass ein Kind psychisch und körperlich gesund heranwächst, ist die sichere Mutter-Kind-Bindung. Ein wesentliches Element, das zu einer gelungenen Bindung beiträgt, ist das Stillen [ 1 ].


Neugeborene werden unreif und hilflos geboren und brauchen den Schutz einer sicheren Bindung. Denn wir Menschen sind sozial lebende Organismen und keine Einzelgänger. Wir achten auf die Signale der Anderen und bilden im Gehirn bei ungestörter Bindungsentwicklung sogenannte Spiegelneurone, die dazu dienen, uns in andere hineinversetzen zu können. Demzufolge bilden Menschen schon früh in ihrer Entwicklung ein Band zu den Menschen aus, auf deren Hilfe sie über die langen Jahre ihrer Entwicklung angewiesen sind [ 1 ].

Erkennungszeichen einer guten Mutter-Kind-Bindung

Mütter mit einer guten Mutter-Kind-Bindung tragen ihre Babys öfter, schlafen oft auch mit ihnen zusammen im Bett, sie sprechen in der Ammensprache, in der intuitiven Sprachmelodie, und haben oft Blickkontakt mit dem Baby. Das Kind kuschelt sich gern an die Mutter an, bleibt ihr zugewandt, wenn es Fremde sieht. Es weint öfter, wenn der Körperkontakt unterbrochen wird, es fordert ihn ein, ist aber auch durch diesen sehr schnell tröstbar. Durch diese Erfahrung wird es sich von Anfang an sicher und wertvoll fühlen und ein sogenanntes sicheres Bindungsmuster ausbilden, das hilft, Neuem gegenüber aufgeschlossen zu sein [ 1 ].

Charakteristika eines unsicheren Bindungsmusters

Sogenannte unsicher-vermeidend gebundene Kinder schauen die Mutter kaum oder nur ganz kurz an, ihr Rücken ist oft gerade und ein wenig durchgedrückt, da sie sich weniger an den Körper der Mutter ankuscheln. Sie haben zu oft die Erfahrung der Hilflosigkeit gemacht. Ihre körperliche Stressantwort wird so von Anfang an ungünstig geprägt und der Spiegel des Stresshormons Kortisol wird möglicherweise dauerhaft erhöht. Es entstehen Ängste und Unsicherheiten. Diese Art von unsicher gebundenen Babys neigen eher später zur Bedürfnisbefriedigung durch materielle Dinge und auch mehr zu körperlichen Krankheiten infolge der möglichen Schwächung des Immunsystems [ 1 ].

Rolle des Stillens

Stillen stellt eine ideale Interaktion und Kommunikation zwischen Mutter und Kind dar. Der häufige und intensive Körperkontakt ist verbunden mit der Ausschüttung von körpereigenen Opiaten und Bemutterungs-fördernden Hormonen und trägt so zu einem maximalen Wohlgefühl von sowohl Mutter als auch Kind bei. Stillen gilt daher als ein Bindungsparadigma und muss als Bestandteil Bindungs-fördernder Interaktionen mehr beachtet werden [ 1 ].

Hormonelle Ebene

Eine wesentliche Rolle für das Bindungsverhalten spielt das Hormon Oxytocin. Neben seiner Funktion zur Unterstützung der Wehentätigkeit und des Milcheinschusses wirkt es als Neurotransmitter im Gehirn, angeregt durch Wärme und Hautkontakt, und vor allem beim Kontakt des Säuglings mit der Brust der Mutter. Die Nervenendigungen in der Brustwarze haben auch Verbindung zu einem Gehirnteil, dem Locus Coerolus. Im Verbund mit dem Stillhormon Prolaktin sinken so zum einen die Anspannung, Angst und mögliche Aggressivität der Mutter, zum anderen steigt das Bedürfnis nach Nähe und sozialer Interaktion.

Durch diese durchs Stillen geförderte Hormonlage nehmen das fürsorgliche Verhalten der Mutter, ihre Gelassenheit sowie ihre positiven sozialen Erinnerungen zu. Der Mutter fällt es leichter, feinfühlig auf die Signale des Kindes zu reagieren und sie prompt und adäquat zu beantworten. Stillende Mütter können so die Bedürfnisse ihres Kindes ohne zu zögern bedienen, das Bemuttern fällt ihnen leichter [ 1 ].

Weitere Bindungsfaktoren

Eine Metaanalyse der Cochrane Datenbank zeigt, dass früher Hautkontakt von Mutter und Kind in Industrieländern das Schreien reduziert und die Mutter-Kind-Interaktion und das Stillen fördert [ 2 ]. Eine sichere Bindung wird weiterhin durch eine natürliche Geburt und Blickkontakt mit dem Säugling unterstützt. Der Blickkontakt unmittelbar nach der Geburt in die noch dunklen Augen des Neugeborenen (und auch noch später) löst bei der Mutter Liebe aus; Oxytocin wird produziert und die Milch kann fließen. Deshalb funktioniert es an der Milchpumpe oft nicht so gut, da das Baby und die damit verbundenen hormonellen und emotionalen Reaktionen fehlen. Tragetuch und Familienbett sind weitere Faktoren, durch die sich die Mutter an das Kind bindet und so auch hormonell in ihrem Fürsorgeverhalten unterstützt wird [ 1 ].

Quellen
  1. Kräuter, A. Bindungsförderung durch Stillen. AFS Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen Bundesverband e.V. 2013;(http://www.fruehe-kindheit.net/download/bindungsfoerderung_durch_stillen_deu.pdf)
  2. Moore, E., Anderson, G., Bergman, N. Early skin-to-skin contact for mothers and their healthy newborn infants. Cochrane Database 2007;Syst Rev 3:CD003519:(mrw.interscience.wiley.com/cochrane/clsysrev/articles/CD003519/frame.html)

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