Stillende Frau im Sessel

Stillbeginn, Dauer, Häufigkeit

Die Stilldauer unterliegt keinen medizinisch begründbaren Beschränkungen. Mutter und Kind sollten die Stilldauer gemeinsam bestimmen.


WHO und UNICEF empfehlen ausschließliches Stillen während der ersten sechs Lebensmonate sowie ein Fortführen des Stillens begleitend zur Beikost bzw. einer ausgewogenen Ernährung bis zum zweiten Geburtstag und darüber hinaus. Diese Empfehlungen gelten für alle Länder und Bevölkerungsgruppen, unabhängig von ihrem sozialen Status und Entwicklungsstand [ 1 ].

Nachfolgend sind die Empfehlungen zur Stilldauer verschiedener nationaler und europäischer Fachgesellschaften zusammengestellt:

Nationale Stillkommission Deutschland [ 2 ]:

  • Ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten ist für die Mehrzahl der Säuglinge die ausreichende Ernährung.
  • Beikost sollte – in Abhängigkeit vom Gedeihen und den Essfertigkeiten des Kindes – nicht später als zu Beginn des 7. Lebensmonats und keinesfalls vor Beginn des 5. Monats gegeben werden.
  • Beikosteinführung bedeutet nicht Abstillen, sondern die Fütterung von Beikost unter dem Schutz der Muttermilch.
  • Bei gestillten Säuglingen ist in der Phase des Übergangs vom ausschließlichen Stillen zur Beikostfütterung und auch danach keine zusätzliche Gabe von anderen Milchprodukten wie Säuglingsanfangs- oder Folgemilch notwendig.
  • Die Nationale Stillkommission Deutschland gibt keine ausdrückliche Empfehlung zur maximalen Stilldauer ab, weil sich für Deutschland hierzu keine wissenschaftlich begründete Basis finden lässt. Der endgültige Zeitpunkt zum Abstillen sollte nach Auffassung der Kommission eine individuelle Entscheidung sein, die gemeinsam von Mutter und Kind getroffen wird.
Die Stilldauer unterliegt keinen medizinisch begründbaren Beschränkungen.

Netzwerk Junge Familie: Empfehlungen zur Stilldauer und Stillhäufigkeit [ 3 ] :

  • Im ersten Lebenshalbjahr sollten Säuglinge gestillt werden, mindestens bis zum Beginn des fünften Monats ausschließlich. Das gilt auch für Kinder mit erhöhtem Allergierisiko.
  • Auch nach Einführung der Beikost – spätestens mit Beginn des zweiten Lebenshalbjahres – sollten Säuglinge weiter gestillt werden. Die Stilldauer insgesamt bestimmen Mutter und Kind.
  • Die Stillhäufigkeit richtet sich nach dem Bedarf des Kindes: Zeitpunkt und Dauer bestimmt das Kind. In den ersten Lebenswochen wird die Mehrzahl der Kinder zehn bis zwölf Mal in 24 Stunden angelegt. In besonderen Situationen kann es notwendig sein, das Kind zu einer Stillmahlzeit zu wecken.

European Food Safety Authority - EFSA [ 4 ] :

  1. Ausschließliches Stillen in den ersten 6 Monaten ist für die Mehrheit der gesunden, reif geborenen Säuglinge in Europa die ausreichende Ernährung.
  2. In Abhängigkeit von Wachstum und Entwicklung kann es in einigen Fällen notwendig sein, Beikost bereits vor dem vollendeten 6. Lebensmonat zu füttern (aber nicht vor dem vollendeten 4. Monat!).
  3. Die Einführung von Beikost – bei fortgesetztem Stillen – hat zwischen dem Beginn des 5. und 7. Monats keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit (sowohl kurz- als auch langfristig).
  4. Mit der Fütterung von glutenhaltiger Beikost sollte möglichst begonnen werden, solange noch gestillt wird, aber nicht später als zu Beginn des 7. Monats.
Quellen
  1. World Health Organization (WHO), UNICEF). Global strategy for infant and young child feeding. Geneva. (http://whqlibdoc.who.int/publications/2003/9241562218.pdf; 2014)
  2. Nationale Stillkommission/BfR: Grundsätzliches zum Stillen (http://www.bfr.bund.de/de/grundsaetzliches_zum_stillen-10199.html; 2014)
  3. Koletzko, B., Brönstrup, A., Cremer, M., Flothkötter, M., Hellmers, C., Kersting, M., Krawinkel, M., Przyrembel, H., Schäfer, T., Vetter, K., Wahn, U., Weißenborn, A. Handlungsempfehlungen - Ein Konsensuspapier im Auftrag des bundesweiten Netzwerk Junge Familie. Säuglingsernährung und Ernährung der stillenden Mutter. Monatsschr Kinderheilkd 2010;679-89
  4. EFSA, Scientific Opinion on Dietary Reference Values for fats, including saturated fatty acids, polyunsaturated fatty acids, monounsaturated fatty acids, trans fatty acids, and cholesterol. EFSA Journal 2010;8:1461 [107 pp.]

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