Aptamil_M19_4981.jpg

Milcheinschuss, Milchstau, Mastitis

Die Empfehlungen, Säuglinge in den ersten 6 Monaten ausschließlich zu stillen, wird von einem Großteil der Frauen in der Bevölkerung nicht erreicht. Stillprobleme sind häufig genannte Gründe für den frühzeitigen Abbruch der Stillbeziehung.


Stillprobleme, wie Brustentzündung (Mastitis), oder wunde Brustwarzen, sind häufig genannte Gründe für den frühzeitigen Abbruch der Stillbeziehung, obwohl sie behandelbar sind.

Dafür wurde im Februar 2013 die S3-Leitlinie „Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit" zur Verfügung gestellt [ 1 ]. Diese Empfehlungen werden hier dargestellt.

Milchstau und Mastitis

Milchstau beschreibt einen Zustand, bei dem durch Blockierung eines Milchganges dieser unzureichend entleert wird. Der resultierende Druckanstieg in dem Milchgang führt zu lokalen Beschwerden in der Brust, ohne dass in der Regel das Allgemeinbefinden beeinträchtigt ist.

Folgende Symptome können bei Milchstau auftreten:

  • lokale Schmerzen
  • lokale Verhärtung („Knoten")
  • keine oder leichte Überwärmung der betroffenen Stellen
  • kein Fieber (< 38,4 °C)
  • gutes Allgemeinbefinden
  • unilateral (einseitig)
  • z. T. ein kleines weißes Bläschen auf der Brustwarze (white blister)

Mastitis puerperalis (Brustentzündung) ist eine in der Stillzeit auftretende Entzündung in der Brustdrüse, die durch Milchstau verursacht wird oder infektionsbedingt auftritt.

Folgende Symptome können bei der Mastitis puerperalis auftreten:

  • örtlich begrenzte gerötete, überwärmte und geschwollene Bereiche der Brust
  • lokale starke Schmerzen in der Brust
  • systemische Reaktionen wie Unwohlsein und Fieber (> 38,4 °C)
  • lokale Symptome auf einer Brustseite, in selteneren Fällen auf beiden Seiten

S3-Leitlinie [ 1 ]: Therapie der Mastitis puerperalis und des Milchstaus:

  • Eine regelmäßige Brustentleerung ist bei Mastitis und bei Milchstau zur Entlastung des Drüsengewebes essenziell. Gegebenenfalls soll die Brust manuell oder mechanisch entleert werden.
  • Physikalische Maßnahmen können angewendet werden:
    • Wärme vor dem Stillen/der manuellen oder mechanischen Entleerung der Brust
    • Kühlen nach dem Stillen/der manuellen oder mechanischen Entleerung der Brust
    • Das Ausstreichen blockierter Areale der Brust bei Milchstau oder Mastitis kann zur Therapie angewandt werden. Dabei ist jegliche Anwendung eines für die Mutter unangenehmen Drucks zu vermeiden.
  • Unzureichende bzw. fehlende Datenlage für den Einsatz folgender Verfahren:
    • Akupunktur
    • Homöopathie
    • Vibration
  • Nichtsteroidale Antiphlogistika (entzündungshemmende Schmerzmittel) können als schmerzlindernde Maßnahme eingesetzt werden.
  • Die bakterielle Mastitis soll antibiotisch therapiert werden. Für eine möglichst günstige Relation zwischen den Erfolgschancen und den möglichen Nebenwirkungen der Antibiotikatherapie sind die wichtigsten Erreger (S. aureus, beta-hämolysierende Streptokokken) zu berücksichtigen.
  • Vor Beginn einer solchen Antibiotikatherapie soll Material zur mikrobiologischen Untersuchung gewonnen werden.
  • Eine infektionsbedingte Mastitis ist kein Grund zum Abstillen.

Wunde Brustwarzen

Bei wunden Brustwarzen handelt es sich um verletzte Brustwarzen mit oder ohne Infektionen. Folgende Symptome können auftreten:

  • Fissuren
  • Hautabschürfungen
  • Rhagaden
  • Entzündungszeichen an Brustwarze und/oder Areola
  • Schorfbildung
  • helle oder dunkle Flecken auf der Brustwarze

S3-Leitlinie [ 1 ]:Therapie wunder Brustwarzen:

  • Praxisempfehlung: zur Behandlung wunder Brustwarzen kann die lokale Verwendung von Muttermilch oder hochgereinigtem Lanolin (= hochgereinigtes Wollwachs, natürliche Substanz) empfohlen werden.
  • Unzureichende bzw. fehlende Datenlage für den Einsatz folgender Verfahren:
    • Auflage von Brustkompressen zur feuchten Wundheilung (Hydrogel-Kompressen)
    • Auflage von Teebeuteln (z.B. mit Salbei)
    • Soft-Laser-Therapie (low level laser)
    • Verwendung von Stilleinlagekonstruktionen zur Hohllagerung der Brustwarze
  • Auf den Einsatz von Brusthütchen zur Therapie wunder Brustwarzen kann verzichtet werden.
  • Zwingen starke Anlegeschmerzen zu einer Stillpause an der betroffenen Brust, sollte die Brust (so häufig wie vorher gestillt wurde) manuell oder mechanisch entleert werden.
  • Alkoholische Lösungen, Cremes oder Salben auf Paraffinbasis sollen den betroffenen Frauen aufgrund der Nutzen-Schaden-Abwägung nicht empfohlen werden.
  • Infizierte Brustwarzen stellen ein hohes Risiko für eine Mastitis dar und sollten antibiotisch therapiert werden.
  • Eine orale Applikation von Antibiotika ist der lokalen Anwendung vorzuziehen.
  • Vor Beginn einer kalkulierten Antibiotikatherapie soll Material zur mikrobiologischen Untersuchung gewonnen werden.

Verstärkte initiale Brustdrüsenschwellung

Die verstärkte Brustdrüsenschwellung bezeichnet die schmerzhafte Schwellung und Vergrößerung der Brüste zu Beginn der Laktationsperiode. Ursache ist ein Lymphödem im Brustdrüsengewebe in Abgrenzung zum Milchstau. Die Brustdrüsenschwellung kann sich auf die Areola oder auf die Peripherie der Brust beschränken oder beide Bereiche umfassen. Die verstärkte Brustdrüsenschwellung beginnt häufig zwischen dem dritten und fünften Tag nach der Geburt.

Zu den Symptomen gehören:

  • generalisierte Schwellung
  • Schmerzen
  • diffuse Ödeme
  • Rötungen
  • glänzende Hautoberfläche
  • gestörter Milchfluss
  • meist bilateral
  • leicht erhöhte Temperatur (< 38,4 °C)

S3-Leitlinie [ 1 ]:Therapie verstärkter initialer Brustdrüsenschwellungen:

  • Trotz der Schwellung der Brust soll eine regelmäßige Entleerung der Brust erfolgen. Eine Brustwarzenverletzung ist zu vermeiden.
  • Bei Vorliegen einer starken Schwellung im Bereich der Areola kann die sogenannte Reverse Pressure Softening Technik eingesetzt werden, um ein korrektes Anlegen des Kindes zu erleichtern. Durch sanften, steten Druck in Richtung Brustkorb wird dadurch ein Ring von Vertiefungen um die Brustwarze erzeugt und es entstehen kleine Dellen an ihrer Basis – und das Kind lässt sich leichter anlegen.
  • Nichtsteroidale Antiphlogistika (entzündungshemmende Schmerzmittel, z.B. Ibuprofen) können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
  • Unzureichende bzw. fehlende Datenlage für den Einsatz folgender Verfahren:
    • Retterspitz (topisch)
    • Akupunktur
    • Massagen nach Plata Rueda oder Marmet
    • therapeutischer Ultraschall
  • Praxisempfehlung: Auflagen in Form von Kühlkissen, Kohlblättern oder Quark sowie die Anwendung einer Tiefdruckmassage zur symptomatischen Behandlung können eingesetzt werden.
Quellen
  1. DGGG, S3-Leitlinie „Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit". AWMF online2013;015/071 

Das könnte Sie auch interessieren