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Stillkrise

Stillkrisen treten vermehrt zu Beginn der Stillperiode auf. Für den Stillerfolg ist neben dem Willen zum Stillen die richtige Information und Betreuung besonders wichtig.


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Tabelle: Stillschwierigkeiten in den ersten drei und sechs Monaten [ 2 ].

Obwohl praktisch alle Frauen die körperlichen Voraussetzungen mitbringen, um ein Kind – oder auch Zwillinge – zu stillen, bekommen doch viele von ihnen Zweifel und Probleme [ 1 ].

In der Untersuchung "Säuglingsernährung heute" des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) in Österreich [ 2 ] wurde erfasst, zu welchem Zeitpunkt eine Stillkrise am häufigsten eintritt, welche Schwierigkeiten damit verbunden sind und welche unmittelbaren Maßnahmen ergriffen werden. Etwa die Hälfte (47,5 Prozent) der Frauen hatte in den ersten drei Monaten Phasen, in denen sie mit dem Stillen aufhören wollten. Kam es zu Stillkrisen, dann traten sie vermehrt in den ersten zwei Wochen auf und nahmen innerhalb der ersten drei Monate langsam ab. Im Gegensatz dazu litten nur 13,6 Prozent der Frauen drei Monate nach der Geburt an Stillproblemen.

Mütter, die Schwierigkeiten beim Stillen hatten, gaben in erster Linie einen Milchmangel als Ursache an. Der subjektive Eindruck, dass das Kind nicht richtig satt werde, wurde meist durch die Unruhe des Kindes oder durch eine weiche, leere Brust begründet. Milchmangel, als ein mögliches Stillproblem, konnte innerhalb der ersten sechs Monate und in geringerem Ausmaß zwischen dem dritten und sechsten Monat beobachtet werden.

Auffallend war, dass Probleme mit der Brust, wie eine leere Brust, wunde Brustwarzen sowie Brustentzündungen bei Stillkrisen, die zu einem späteren Zeitpunkt auftraten, vergleichsweise nicht so ausgeprägt waren wie die Beschwerden, die in den ersten drei Monaten beobachtet werden konnten.

Zu dem oben beschriebenen Auslöser einer Stillkrise kamen noch viele Einzelnennungen hinzu, wie Berufsbeginn, Urlaub, Stress und Schmerzen bis zum Stillstreik.

Die Untersuchung des BMG zeigte auch, dass der Umgang mit einer Stillkrise von der bereits erfolgten Stilldauer abhängig ist. 40 Prozent der Mütter, die in den ersten Monaten eine Stillkrise durchmachten, versuchten durch häufigeres Anlegen die Stillschwierigkeiten zu bewältigen. 16,1 Prozent pumpten die Muttermilch ab. 24 Prozent der befragten Mütter fütterten zu. 24 Prozent der Mütter stillten allerdings auf Grund einer Stillkrise ab.

Mütter, die zwischen dem dritten und sechsten Monat eine Stillkrise hatten, stillten zu 58,2 Prozent ab. In dieser Phase versuchten nur 21,8 Prozent durch häufigeres Anlegen, die Situation wieder in den Griff zu bekommen.

Wichtigste Ansprechpartner bei einer Stillkrise waren Hebammen, Stillberaterinnen und Kinderärzte, bei denen insgesamt 72,3 Prozent aller Mütter in den ersten drei Monaten Hilfe suchten. 18,8 Prozent aller Mütter fragten ihre eigene Mutter oder Freundinnen.

Das BMG rät, dass zur Bewältigung von Stillkrisen die Geburtskliniken proaktiv eingreifen sollten, indem ein Maßnahmenpaket die häufigsten Probleme vorwegnimmt und die Mutter darauf vorbereitet. Es sei wichtig, mehrere konkrete Ansprechpersonen zu identifizieren, aber auch den Zugang niederschwellig und kostenfrei zu ermöglichen; Stillnetzwerke und fremdsprachige Stillberatung seien notwendig.

Eine Untersuchung im Freiburger Geburtenkollektiv "FreiStill" zeigte, dass es einige beeinflussbare Faktoren für eine positive Stillbeziehung gibt. Dazu gehörten eine kompetente Betreuung in der Geburtsklinik, Nachsorge durch eine Hebamme, ein positives Erleben des Stillens sowie die Unterstützung des Partners. Negativ wirkten sich ein erstmaliger Kaiserschnitt, Gebrauch von Hilfsmitteln zum Stillen, frühes Zufüttern sowie Zweifeln an der Milchmenge aus [ 3 ].

Medizinische Betreuer einer Stillenden sollten laut ENeA (Early Nutrition eAcademy) [ 4 ] in der Lage sein,

  • Mütter und deren Familien durch Entwicklung realistischer Erwartungen auf das Stillen vorzubereiten
  • die Vorteile des Stillens für die Mütter und deren Kinder zu erklären sowie andere Vorteile zu nennen (einfache Handhabung, ökonomische, ökologische sowie hygienische Vorteile)
  • Informationen zielgruppengerecht zu kommunizieren, abgestimmt auf die jeweilige Kultur sowie den Wissensstand der Mutter, und in einer verständlichen Sprache

Quellen
  1. LaLecheLiga: Stillen- ja, aber wie? (http://www.lalecheliga.de/2014)
  2. Bundesministerium für Gesundheit (Österreich): Säuglingsernährung heute (http://www.bmg.gv.at/cms/home/attachments/2/8/5/CH1101/CMS1384785444563/kurzfassung_saeuglingsernaehrung_heute_druckversion_08_2009.pdf2014)
  3. Rasenack, R., Schneider, C., Jahnz, E., Schulte-Mönting, J., Prömpeler, H., Kunze, M. Factors Associated with the Duration of Breastfeeding in the Freiburg Birth Collective, Germany (FreiStill). GebFra Science 2012;72:65-9
  4. Breastfeeding, Lesson 5: Practical Promotion and Support of Breastfeeding (https://www.enea.moodle.elearning.lmu.de/2014)

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