Mutter in der Wochenbettdepression

Wochenbettdepression – Wer ist betroffen? Wann sollte man handeln?

Nach der Geburt eines Kindes kann es zu unterschiedlichsten Stimmungskrisen kommen. Die Symptome einer Wochenbettdepression reichen von einer leichten Traurigkeit über Depressionen bis hin zu schweren psychotischen Erkrankungen.


Die Wochenbettdepression (postpartale Depression) ist eine Sonderform der depressiven Störung, die bis zu 24 Monate nach der Entbindung bei der Mutter auftreten kann. In 70 Prozent der Fälle beginnt die Erkrankung ein bis zwei Wochen nach der Geburt. Rund 10 bis 25 Prozent der Mütter, aber auch rund vier Prozent der Väter, leiden an dieser Erkrankung. [ 1 ]

Es wird angenommen, dass vor allem die raschen Hormonumstellungen nach der Geburt an der Entstehung der Wochenbettdepression beteiligt sind. Ihr Risiko erhöht sich, wenn die Mutter bereits vorher eine psychische Erkrankung wie eine Depression oder Zwangsstörung hatte. Auch ein vorangegangenes traumatisches Erlebnis oder eine aktuell belastende Lebenssituation, die von sozialer Isolation, Armut, geringer Lebensqualität oder partnerschaftlichen Problemen geprägt ist, begünstigen die Entstehung einer Wochenbettdepression. [ 1 ]

Die Symptome beginnen meist schleichend: [ 1 ]

  • Energieverlust
  • Gefühle von Traurigkeit, Leere, Schuld, Hoffnungslosigkeit
  • ambivalente Gefühle dem Kind gegenüber, Gefühl eine schlechte Mutter zu sein
  • Desinteresse am Säugling bis hin zu Tötungsgedanken (Suizid, Tötung des Kindes)
  • Störungen des Sexuallebens
  • Schlafstörungen
  • Ängste, Panikattacken
Wenn die Symptome zwei bis drei Wochen anhalten, kann sich eine ausgeprägte Wochenbettdepression entwickeln.

Die postpartale Depression ist gut behandelbar: In Abhängigkeit von der Symptomatik bietet sich eine kombinierte psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung an. [ 2 ]

Milde Ausprägungen von Stimmungskrisen nach der Geburt sind auch als "Baby-Blues" oder "Heultage" bekannt und sind von Reizbarkeit, Weinen und Stimmungsschwankungen gezeichnet. Bedingt wird diese Krise wahrscheinlich durch den Abfall des Sexualhormons Progesteron nach der Geburt und ist wohl eher als physiologischer Vorgang zu betrachten. In den ersten Tagen nach der Geburt ist hier daher oft keine Therapie notwendig. Wenn beruhigende Gespräche mit der Mutter und ihrer Familie sowie Entlastung in der Kinderpflege und dem Haushalt nicht helfen, dann sollte allerdings eine ärztliche Intervention in Betracht gezogen werden. [ 3 ]

Wenn die Symptome zwei bis drei Wochen anhalten, kann sich eine ausgeprägte Wochenbettdepression entwickeln. Die schwere Wochenbettdepression muss wegen erhöhter Suizidgefahr und Gefährdung des Neugeborenen (Infantizid) dringend behandelt werden. [ 1 ]

Bei der Behandlung der Wochenbettdepression rückt zunehmend auch die Therapie der häufig gestörten Mutter-Kind-Interaktion in den Vordergrund. [ 4 ]

Wochenbettdepressionen haben insgesamt eine gute Prognose. Auch unbehandelt verschwinden die Symptome bei den meisten Patienten innerhalb von einigen Wochen von selbst. Bei nachfolgenden Geburten erleidet rund ein Drittel aller Frauen erneut eine Wochenbettdepression, deshalb sollte insbesondere bei diesen Frauen auf erste Anzeichen geachtet werden. [ 5 ]

Quellen
  1. Sonnenmoser M. Postpartale Depression: Vom Tief nach der Geburt. Deutsches Ärzteblatt 2007;2:82-3
  2. Deutsches Bündnis gegen Depression e.V. (http://www.buendnis-depression.de/depression/nach-der-geburt.php2014)
  3. Hochreuther Christina. Einfluss der mütterlichen Bindung auf die Entwicklung einer postpartalen Depression; MATER Studie. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 2012
  4. Moehler E, Brunner R, Wiebel A, Reck C, Resch F. Maternal depressive symptoms in the postnatal period are associated with long-term impairment of mother-child bonding. Arch Women's Ment Health 2006;273-8:9
  5. Reck C, Weiss R, Fuchs T, Möhler E, Downing G, Mundt C. Psychotherapie der postpartalen Depression. Nervenarzt 2004;75:1068-73

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