Mutter Kind Bindung

Wie Berührung bei Neugeborenen bis in die Gene hinein wirkt


In den ersten Lebenswochen ist körperliche Nähe wichtig, also kuscheln Sie ruhig ausgiebig mit dem neuen Familienmitglied – diesen Rat gibt man heute fast automatisch den Eltern mit. Wie enorm wichtig und sinnvoll er ist, das zeigen in jüngster Zeit eine Reihe von Studien, denen zufolge können Berührungen bei Neugeborenen sogar nachhaltig zu molekularen Veränderungen im Körper führen.

So haben Forscher von der University of British Columbia und dem BC Children’s Hospital Research Institute in einer im November 2017 im Fachmagazin „Development andPsychopathology“ erschienenen Studie die DNA von Kindern analysiert und mit dem Grad an körperlicher Nähe verglichen, den sie regelmäßig von Seiten der Mütter abgefragt hatten.Das Ergebnis: Die sogenannte Methylierung der DNA, ein Prozess, in dem die Abfolge der DNA leicht modifiziert wird, unterschied sich signifikant zwischen den Kindern, die eher viel körperliche Nähe bekamen, und jenen, die eher weniger körperliche Nähe erfuhren. Damit bestätigen sie Hinweise, die sich zuvor schon in Tierversuchen zeigten2: Der Grad von körperlicher Berührung hat offenbar Auswirkungen auf genetischer Ebene.

Die Forscher der University of British Columbia verglichen in der neuen Studie auch das sogenannte epigenetische Alter, und auch hier schnitten die Kinder, die mehr Berührung erlebt hatten, signifikant besser ab. Das epigenetische Alter – also die chemischen und strukturellen Veränderungen im Erbgut, die bestimmen, wie die Gene abgelesen werden – kann als Prognosefaktor für die weitere Entwicklung von Babys gesehen werden. Die Schlussfolgerung der Forscher ist eindeutig: „Diese Ergebnisse legen nahe, dass früher Kontakt nach der Geburt dauerhaft assoziiert ist mit der Biologie des Kindes.“

Quellen

1. Moore SR et al. Epigenetic correlates of neonatal contact in humans. Dev Psychopathol. 2017 Dec;29(5):1517-1538.

2. Weaver IC et al. Epigenetic programming by maternal behavior. Nature Neuroscience 2004; Aug;7(8):847-54.    

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