Schwangere Frau und Ehemann freuen sich auf ihr Baby

Early Life Programming – Die reversible Prägung


Ernährung in der Schwangerschaft und der Lebensstil der Mutter spielen für die spätere Gesundheit des ungeborenen Babys eine entscheidende Rolle. Denn die Ernährungsgewohnheiten der Mutter können Folgen für ihren Sprössling haben und das Risiko für späteres Übergewicht, Diabetes und andere Erkrankungen erhöhen.Das ist nicht neu. Epigenetische Veränderungen werden für diese Phänomene verantwortlich gemacht. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um Methylierungen (reversible chemische Veränderungen) der DNA und Modifizierungen der Histone, die verändern, wie unser Erbgut abgelesen wird.

 

Neu ist dagegen eine Studie, die nahelegt, dass diese frühe Programmierung durch die Ernährungsgewohnheiten nach der Schwangerschaft umgeschrieben werden kann – zumindest im Tiermodel.2 Forscher um Laura Moody von der University of Illinois konnten bei Ratten zeigen, dass eine fettreiche Ernährung (45 Prozent der Energiezufuhr) während der Tragzeit zu erheblichen epigentischen Veränderungen im Genom der Leberzellen des Nachwuchses führte. Stellte man deren Ernährung nach der Entwöhnung von den Muttertieren auf eine fettarme Kost um, änderte sich das Genexpressionsprofil ihrer Lebern wieder drastisch: Gene, die mit dem Fett- und Adipokinstoffwechsel sowie mit bei Diabetes aktiven Signalwegen assoziiert sind, wurden herabreguliert. Die Ratten programmierten ihr Genom quasi um.

 

Moody und Kollegen schlussfolgern, dass das durch die Eltern erworbene Methylierungsprofil dynamisch und veränderbar ist. Das Leber-Epigenom ist also kein unabwendbarer Fluch der Eltern – zumindest bei Ratten und ihren Nachkommen. Inwiefern sich diese Erkenntnisse auf den Menschen übertragen lassen, ist indessen unklar. Es lässt sich aber spekulieren, dass sich Ernährungsfehler während der Schwangerschaft wohlmöglich auch beim Menschen korrigieren lassen könnten, wenn mit Einführung der Beikost auf eine ausgewogene Ernährung geachtet wird. Wie lange diese „Reprogrammierung“ möglich ist, ist Gegenstand weiterer Forschung.    

Quellen
  1. Langley-Evans, SC. Nutrition in early life and the programming of adult disease: a review. J Hum Nutr Diet. 2015;28 Suppl 1:1-14.
  2. Moody, L., Chen, H., Pan YX. Postnatal diet remodels hepatic DNA methylation in metabolic pathways established by a maternal high-fat diet. Epigenomics. 2017;9(11):1387-1402.

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