Mutter stillt Säugling

Schützt Stillen vor Brustkrebs?

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen.1  Ein kleiner Anteil aller Brustkrebsfälle sind mit Schwangerschaft und der Geburt assoziiert.2  Experten sprechen vom sogenannten schwangerschaftsassoziierten Brustkrebs (pregnancy-associated breast cancer, PABC).

Tritt der Brustkrebs nach der Geburt auf, stellt das die Betroffenen vor einen Gewissenskonflikt. Denn die Mütter kämpfen mit der Empfehlung, ihre Aufmerksamkeit ganz auf sich selbst zu richten, wollen aber die Fürsorge für ihr Kind nicht mindern. Stillen kann eine Möglichkeit bieten, dem Konflikt vorzubeugen. Studiendaten weisen darauf hin, dass längeres Stillen Mütter vor schwangerschaftsassoziiertem Brustkrebs schützt.

PABC-Diagnose nimmt zu


Auch wenn die bisherigen Fälle selten sind, geht die Wissenschaft davon aus, dass die Anzahl von PABC-Diagnosen in Zukunft steigen wird. Bisher liegt das Durchschnittsalter von Patientinnen zwischen 32 und 38 Jahren.3  Doch der Trend hin zu einer späteren Familienplanung und steigendem Risiko mit höherem Alter, lässt vermuten, dass die Zahl der Neuerkrankungen zunehmen wird.

Die häufigste Form des PABC ist das triple-negative Mammakarzinom. Dieser Subtyp ist mit einer schlechten Überlebensrate verbunden. Studien zeigen, dass Stillen das Risiko für Frauen senkt, daran zu erkranken.4-11 ElShamy postuliert in seiner Arbeit, dass die Mikroumgebung der Brust bei Schwangeren als eine mögliche Ursache dafür gelten kann. Diese scheint die Biologie des Tumors zu beeinflussen und könnte somit eine Rolle für die Prognose spielen.12

Längeres Stillen senkt das Risiko für PABC


ElShamys Daten deuten zudem darauf hin, dass sich fehlendes Stillen oder das Stillen für nur eine kurze Dauer negativ auf die Krebserkrankung auswirkt.12  Eine Metaanalyse von 47 epidemiologischen Studien, die in 30 Ländern durchgeführt wurden, unterstreicht die Hypothese der schützenden Wirkung einer längeren Stillzeit gegen PABC. Es zeigte sich, dass das Risiko für schwangerschaftsassoziierten triplenegativen Brustkrebs nach zwölfmonatigem Stillen um rund 4,3 Prozent sank.12, 13

Mögliche Ursache: Schützende Abbau-Prozesse


Da die Schwangerschaft zahlreiche komplexe Veränderungen am und im Körper mit sich bringt, die viel Energie kosten, bildet der Körper diese nach der Geburt wieder zurück. Auch das Wachstum und die Differenzierung der Brustdrüsen wird gestoppt.

Die Forscher gehen davon aus, dass bei der Rückbildung nach längerer Laktation Prozesse induziert werden, die dafür sorgen, dass potenziell schädliche Zellen abgetötet werden. Werden die Modulationen im Körper ohne oder nach nur kurzzeitigem Stillen zurückgebildet, scheint dies förderlich für den Brustkrebs zu sein. Erste Hinweise geben Grund zur Annahme, dass dadurch eine Umgebung entsteht, die es Zellen möglicherweise erlaubt, sich unkontrolliert zu vermehren und die eine Bildung von aggressiven PABC-Zellen sogar fördern könnte.12

Quellen
  1. Deutsche Krebsforschungszentrum: Brustkrebs: Informationen für Patientinnen, Angehörige und Interessierte. Online-Quelle. URL: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/ , zuletzt abgerufen am 28.11.2018
  2. Keyser E.A., Staat B.C., Fausett M.B., Shields A.D. Pregnancy-associated breast cancer. Rev. Obstetrics and Gynecol. 2012;5(2):94–99.
  3. Molckovsky A, Madarnas Y. Breast cancer in pregnancy: a literature review. Breast Cancer Res Treat. 2008;108:333–338.
  4. Awatef M, Olfa G, Imed H, Kacem M, Imen C, Rim C, Mohamed B, Slim B. Breastfeeding reduces breast cancer risk: a case–control study in Tunisia. Cancer Causes Control. 2010; 21:393-397.
  5. Gajalakshmi V, Mathew A, Brennan P, Rajan B, Kanimozhi V, Mathews A, Boffetta B. Breastfeeding and breast cancer risk in India: A multicenter case-control study. Int. J. Cancer. 2009; 125:662-665.
  6. Guinee V, Olsson H, Moller T, Hess K, Taylor S, Fahey T, Gladikov JV, van den Blink JW, Bonichon F, Dische S. Effect of pregnancy on prognosis for young women with breast cancer. Lancet. 1994; 343:1587-1589.
  7. Middleton L, Amin M, Gwyn K, Theriault R, Sahin A. Breast carcinoma in pregnant women: assessment of clinicopathologic and immunohistochemical features. Cancer. 2003; 98:1055-1060.
  8. Reed W, Hannisdal E, Skovlund E, Thoresen S, Lilleng P, Nesland J. Pregnancy and breast cancer: a population-based study. Virchows Arch. 2003; 443:44-50.
  9. Ishida T, Yokoe T, Kasumi F, Sakamoto G, Makita M, Tominaga T, Simozuma K, Enomoto K, Fujiwara K, Nanasawa T, Clinicopathologic characteristics and prognosis of breast cancer patients associated with pregnancy and lactation: analysis of case–control study in Japan. Jpn J Cancer Res. 1992; 83:1143-1149.
  10. Petrek J, Dukoff R, Rogatko A. Prognosis of pregnancy-associated breast cancer. Cancer. 1991; 67:869-872.
  11. Bunker M, Peters M. Breast cancer associated with pregnancy or lactation. Am J Obstet Gynecol. 1963; 85:312-321.
  12. Elshamy WM. The protective effect of longer duration of breastfeeding against pregnancy-associated triple negative breast cancer. Oncotarget (2016) 7:53941– 53950.
  13. Collaborative Group Breast cancer and breastfeeding: collaborative reanalysis of individual data from 47 epidemiological studies in 30 countries, including 50302  women with breast cancer and 96973 women without the disease. Lancet. 2002;360:187–195.

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