Teaser Vegetarisch und vegan

Vegetarisch und vegan – geeignete Ernährungsformen auch in der Schwangerschaft?

 

Seit etlichen Jahren findet die vegetarische Ernährungsweise – vor allem bei Frauen – immer mehr Anhänger(innen). Einem Bericht des Robert Koch Instituts zufolge leben 9,2 % der Frauen im Alter von 18 bis 29 Jahren vegetarisch, bei den 30 bis 39-jährigen sind es rund 7 %. 1 Die Anzahl vegan lebender Menschen dagegen schwankt in Abhängigkeit von der Quelle, hier wird von 0,1 bis rund 1 % der Bevölkerung ausgegangen. 2

Da eine vornehmlich pflanzliche Kost unter anderem positive Auswirkungen auf die kardiovaskuläre Gesundheit, das Körpergewicht oder die Entwicklung eines Diabetes Typ-2 hat, ist das ein eigentlich positiv zu beurteilender Trend. 3

Doch sind eine vegetarische oder gar eine vegane Ernährung auch für Schwangere geeignet oder können sie zu Mangelerscheinungen bei werdender Mutter und Ungeborenem führen? 

Je nährstoffärmer, desto risikoreicher für Mutter und Kind

Generell lässt sich feststellen, dass es bei veganer Ernährungsweise einige kritische Nährstoffe gibt, die eine Supplementierung erforderlich machen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) rät Schwangeren und Stillenden daher von einer veganen Ernährung ab. 2 Vor allem die Entwicklung des kindlichen Nervensystems ist durch eine solche Ernährungsweise gefährdet.4 Sofern auf diese Ernährungsweise bestanden wird, sollten die Frauen unbedingt im Hinblick auf eine gezielte Supplementation verschiedener Nährstoffe beraten und regelmäßige Laborkontrollen des Blutes durchgeführt werden. Besonders Cobalmin (Vitamin B12) kommt – in für den menschlichen Organismus verfügbarer Form – fast ausschließlich in tierischen Nahrungsmitteln vor. Es muss daher als Nahrungsergänzung zugeführt werden, da ein Mangel an Vitamin B12 – neben Defiziten bei der werdenden Mutter – zu erheblichen Entwicklungsstörungen von Ungeborenen führt. Da sich ein Mangel durch die Messung des Gesamt-Cobalmins im Serum nicht zuverlässig nachweisen lässt, empfiehlt sich hier die Bestimmung von Holotranscobalmin. 5 Auch Protein, Zink und langkettige n-3 Fettsäuren wie Docosahexaensäure (DHA) gehören zu den kritischen Nährstoffen, die daher als Supplementation zugeführt werden müssen. Unbedingt abgeraten werden muss werdenden Müttern von einer frutarischen Ernährungsweise, bei der ausschließlich Früchte, Nüsse und Samen verzehrt werden. 

Überwiegend pflanzlich – geeignet auch für Schwangere

Die ovo-lakto-vegetarische Ernährungsweise, bei der auch Milch und Eier auf dem Speiseplan stehen, ist laut den Handlungsempfehlungen für die Ernährung in der Schwangerschaft dagegen auch für werdende Mütter eine geeignete Ernährungsform.⁴ Falls auf Fisch verzichtet wird, sollte allerdings auch hier eine Supplementation mit DHA erfolgen. Auch auf einen möglichen Eisenmangel sollte verstärkt geachtet werden, da Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln nur schlecht resorbiert wird. Wichtig ist es, werdende Mütter dahingehend zu befragen, ob sie sich bereits seit längerer Zeit vegetarisch ernähren. In diesen Fällen kann es auch hier zu einer Unterversorgung mit Cobalmin und Zink kommen. 4

Quellen
  1. Mensink Gert B.M. et al., Verbreitung der vegetarischen Ernährungsweise in Deutschland, Journal of Health Monitoring; 2016 1(2), DOI 10.17886/RKI-GBE-2016-033, Robert Koch-Institut, Berlin
  2. http://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/faqs/ausgewaehlte-fragen-und-antworten-zu-veganer-ernaehrung/; zuletzt abgerufen am 05. Okt 2017.
  3. Kompakt, Informationen und aktuelle Nachrichten aus der Muttermilchforschung, Nutricia Forum für Muttermilchforschung; Ausgabe 3, 2017.
  4. Koletzko B et al., Ernährung in der Schwangerschaft, Handlungsempfehlungen des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“, Deutsche Medizinische Wochenschrift (DMW), Ausgabe 24/2012 und Ausgabe 25-26/2012. 
  5. http://www.allgemeinarzt-online.de/a/symptome-diagnostik-und-therapie-1640196; zuletzt abgerufen am 11. Aug 2017.

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